Anstand und Miteinander in Second Life – warum ein kleines „Tschüss“ manchmal nicht reicht

Second Life ist für viele von uns mehr als nur ein Spiel. Es ist ein Ort, an dem man Menschen trifft, Gespräche führt, gemeinsam lacht, Projekte plant, Events besucht oder einfach eine schöne Zeit miteinander verbringt. Gerade weil hinter jedem Avatar ein echter Mensch sitzt, finde ich es wichtig, dass wir auch dort ein gewisses Maß an Anstand und Respekt miteinander bewahren.

Was mich persönlich immer wieder stört, ist dieses plötzliche Wegteleportieren ohne ein Wort. Man steht zusammen, unterhält sich vielleicht gerade, und zack – die Person ist einfach weg. Kein „Ich muss los“, kein „Bis später“, kein kurzer Hinweis. Für mich fühlt sich das ehrlich gesagt unhöflich an. Im echten Leben würde man ja auch nicht mitten im Gespräch einfach wortlos aufstehen und verschwinden.

Natürlich kann immer mal etwas sein. Second Life hängt, der Viewer stürzt ab, das RL ruft, jemand klingelt an der Tür oder man muss spontan weg. Das ist alles völlig verständlich. Aber wenn man bewusst geht, dann ist ein kurzer Satz doch wirklich nicht zu viel verlangt.

Genauso schwierig finde ich es, wenn jemand noch schnell „Tschüss“ schreibt und im selben Atemzug schon wegteleportiert ist. Dann hat das Gegenüber nicht einmal mehr die Möglichkeit, zu antworten. Man steht da, tippt vielleicht gerade noch „Mach’s gut“ oder „Bis bald“, und die Person ist schon längst verschwunden. Für mich hat das wenig mit echtem Abschied zu tun, sondern eher mit einem schnellen Abhaken.

Ein Abschied ist doch kein Wettrennen.

Gerade in einer virtuellen Welt, in der vieles über Text, Gesten und kleine Momente läuft, machen solche Dinge einen Unterschied. Ein paar Sekunden warten, eine Antwort zulassen, ein Gespräch ordentlich beenden – das zeigt Wertschätzung. Es zeigt: Ich sehe dich. Ich nehme dich ernst. Du bist nicht einfach nur irgendein Avatar auf meinem Bildschirm.

Ich finde, ein gutes Miteinander beginnt genau bei solchen Kleinigkeiten. Man muss nicht stundenlang erklären, warum man geht. Ein einfaches „Ich muss leider los, danke für den schönen Abend“ reicht vollkommen. Oder „Ich teleportiere weiter, wir lesen uns später“. Das ist freundlich, klar und lässt dem anderen Raum, ebenfalls Tschüss zu sagen.

Second Life lebt von Begegnungen. Von Menschen, die Orte mit Leben füllen. Von Gesprächen, Freundschaften, gemeinsamen Momenten und auch von Respekt. Und Respekt bedeutet für mich nicht nur, höflich zu sein, wenn man kommt, sondern auch, sich anständig zu verabschieden, wenn man geht.

Vielleicht sollten wir uns alle wieder ein bisschen mehr daran erinnern, dass hinter jedem Avatar ein Mensch sitzt. Ein Mensch, der genauso fühlt, wartet, antworten möchte oder sich vielleicht fragt, warum man plötzlich einfach stehen gelassen wurde.

Für mich gehört ein kleines bisschen Anstand einfach dazu – auch in Second Life.

Denn ein freundliches Miteinander kostet nichts.
Aber es macht die virtuelle Welt um einiges schöner.

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