Wer ganz neu in Second Life unterwegs ist, stolpert ziemlich schnell über das Wort „Sim“.
„Wir treffen uns auf der Sim.“
„Die Sim ist voll.“
„Die Sim startet gerade neu.“
„Ich bin von der Sim geflogen.“
Und während alle anderen scheinbar ganz genau wissen, wovon sie reden, steht man selbst daneben und denkt sich:
Was bitte ist eine Sim?
Eine Person? Ein Spiel? Eine Insel? Oder vielleicht doch ein Bewohner mit besonders kurzem Namen?
Keine Sorge. So ging es vermutlich fast jedem am Anfang.
Eine Sim ist erst einmal ein Stück virtuelle Welt
Ganz einfach erklärt ist eine Sim ein Gebiet in Second Life.
Man könnte sie mit einem Grundstück, einer Insel oder einem kleinen Teil einer virtuellen Landschaft vergleichen. Auf einer Sim können Häuser, Clubs, Geschäfte, Wälder, Strände, Burgen oder auch ziemlich merkwürdige Dinge stehen, bei denen man lieber nicht zu genau nachfragt. Second Life wäre schließlich nicht Second Life, wenn alles immer logisch wäre.
Der Begriff „Sim“ kommt ursprünglich von „Simulator“. Technisch gesehen läuft dieses Gebiet auf einem Server. Für uns Bewohner bedeutet es aber meistens einfach: Hier beginnt ein Ort, den jemand gestaltet hat. Eine Sim kann also eine romantische Insel sein, eine düstere Ruine, ein Einkaufszentrum, ein Rollenspielgebiet oder ein Club, in dem um drei Uhr morgens noch immer jemand mit riesigen Flügeln auf der Tanzfläche steht.

Ist eine Sim immer eine Insel?
Nein.
Auch wenn viele Sims wie Inseln aussehen, müssen sie nicht von Wasser umgeben sein. Sie können direkt nebeneinanderliegen und miteinander verbunden sein. Dann läuft man einfach von einer Sim auf die nächste. Zumindest in der Theorie.
In der Praxis kann es passieren, dass man beim Überqueren der Grenze kurz stehen bleibt, plötzlich rückwärts läuft oder ohne erkennbaren Grund in der Luft hängt. Das nennt man dann vermutlich virtuelle Reisefreiheit mit kleinen technischen Überraschungen. Manchmal merkt man den Wechsel zwischen zwei Sims kaum. Manchmal merkt man ihn sehr deutlich, weil der Avatar kurz einfriert, die Haare noch weiterlaufen und der Rest des Körpers offenbar eine kleine Pause braucht.
Wie groß ist eine Sim?
Eine klassische vollständige Region in Second Life ist 256 mal 256 Meter groß.
Das klingt erst einmal überschaubar. Trotzdem kann auf einer gut gestalteten Sim erstaunlich viel Platz entstehen. Ein Landschaftsgestalter kann Berge, Höhlen, Häuser, Wege, Strände und versteckte Bereiche erschaffen. Durch geschickte Gestaltung wirkt eine Sim manchmal viel größer, als sie tatsächlich ist. Und dann gibt es natürlich noch Sims, auf denen man nach fünf Minuten bereits dreimal im Kreis gelaufen ist und trotzdem nicht mehr weiß, wo der Ausgang war.
Das liegt aber vielleicht nicht an der Sim – Vielleicht liegt es auch einfach an mir.
Gehört jede Sim einer Person?
Eine Sim kann einer einzelnen Person, einer Gruppe, einem Unternehmen oder auch Linden Lab gehören. Wer eine Sim besitzt oder gemietet hat, kann sie gestalten und bestimmte Regeln festlegen. Das bedeutet auch: Nicht jede Sim ist für jeden Besucher gedacht. Manche Regionen sind öffentlich. Andere sind nur für Gruppenmitglieder zugänglich. Es gibt Sims für Erwachsene, Rollenspiel-Sims mit festen Regeln oder private Wohnregionen, auf denen Fremde eher ungern mitten im Wohnzimmer auftauchen. Bevor man also neugierig durch fremde Häuser spaziert, Betten ausprobiert oder sich einfach an den gedeckten Tisch setzt, lohnt sich ein Blick in die Sim-Beschreibung. Nur weil eine Tür offen steht, bedeutet das in Second Life nicht automatisch, dass man eingeladen ist. Manchmal bedeutet es auch einfach, dass jemand vergessen hat, sie zu schließen.

Was bedeutet „Die Sim ist voll“?
Jede Region kann nur eine bestimmte Anzahl an Avataren gleichzeitig aufnehmen. Ist diese Grenze erreicht, kommt man nicht hinein. Dann steht man vor dem Teleport und bekommt eine Meldung, dass die Region voll ist. Natürlich versucht man es direkt noch einmal.
….Und noch einmal…..
Und dann erneut, weil der Teleport beim siebten Versuch ganz bestimmt plötzlich funktioniert 🙂
Bei großen Veranstaltungen ist das völlig normal. Besonders beliebt sind Partys, Verkaufsaktionen, Konzerte und Events, bei denen es kostenlose Geschenke gibt. Sobald irgendwo „Gift“ oder „Free“ steht, entdecken Second-Life-Bewohner ungeahnte Teleportgeschwindigkeiten.
Was bedeutet „Die Sim startet neu“?
Sims werden regelmäßig neu gestartet. Dabei wird die Region kurz heruntergefahren und anschließend wieder geladen. Das kann geplant sein oder wegen technischer Probleme passieren. Meistens erscheint vorher eine Meldung, dass die Region in wenigen Minuten neu gestartet wird. Das ist der freundliche Hinweis, dass man sich langsam einen anderen Ort suchen sollte. Man kann die Warnung natürlich auch ignorieren. Dann erlebt man wenige Minuten später den direkten und überraschend schnellen Rückweg nach Hause.
Ein Sim-Neustart ist ein bisschen wie eine Sperrstunde, nur dass nicht der Wirt das Licht anschaltet, sondern gleich die gesamte Welt verschwindet.
Kann man von einer Sim fliegen?
Oh ja.
Manchmal wird man automatisch von einer Region abgemeldet, weil die Verbindung nicht stabil ist oder die Sim gerade Probleme hat. Manchmal wird man aber auch von einem Eigentümer oder einem Mitglied des Teams hinausgeworfen. Das passiert zum Beispiel, wenn Regeln nicht beachtet werden. Wer auf einer Rollenspiel-Sim mit einem riesigen pinken Einhorn erscheint, obwohl mittelalterliche Kleidung vorgeschrieben ist, könnte eventuell auffallen.
Wer in einem Club andere Gäste belästigt, wird vermutlich ebenfalls nicht lange bleiben.
Und wer nach einer deutlichen Aufforderung noch immer diskutiert, lernt vielleicht auch gleich die Bannliste kennen.
Eine Sim ist zwar virtuell, aber gutes Benehmen darf trotzdem mitgebracht werden.

Sim, Region, Parcel – was ist denn nun was?
Jetzt wird es ein kleines bisschen technischer.
Eine Region ist das vollständige Gebiet, das viele einfach Sim nennen. Ein Parcel ist ein abgeteiltes Grundstück innerhalb dieser Region. Eine Sim kann also aus mehreren einzelnen Grundstücken bestehen. Auf einem Grundstück steht vielleicht ein Club, daneben befindet sich ein Shop und auf einem weiteren Grundstück wohnt jemand. Alle befinden sich auf derselben Sim, können aber unterschiedliche Namen, Einstellungen und Regeln haben.
Das ist ungefähr wie eine kleine Stadt –Die Sim ist die gesamte Stadt.
Die Parcels sind die einzelnen Grundstücke.
Und die Avatare sind die Bewohner, die ständig behaupten, ihr Inventar sei überhaupt nicht zu voll.
Wie finde ich interessante Sims?
Es gibt viele Möglichkeiten, neue Orte zu entdecken. Man kann die Second-Life-Suche nutzen, Empfehlungen von Freunden folgen, Blogs lesen oder auf Social Media nach interessanten Bildern schauen. Oft entstehen die schönsten Entdeckungen aber ganz zufällig. Man teleportiert an einen Ort, läuft ein bisschen herum, findet einen versteckten Weg und landet plötzlich in einer kleinen Höhle, auf einem Dach oder in einem Raum, den man eigentlich gar nicht gesucht hat. Genau das macht für mich einen Teil des Reizes von Second Life aus. Hinter jeder Teleport-Adresse kann etwas völlig anderes warten.
Ein wunderschöner Ort.
Eine spannende Geschichte.
Ein interessanter Mensch.
Oder eine leere Plattform mit einer Verkaufsbox, die seit 2014 nicht mehr aktualisiert wurde.
Man weiß es vorher nie.

Eine Sim ist mehr als nur ein Stück Land
Technisch gesehen ist eine Sim ein Bereich auf einem Server. Aber für viele Menschen ist sie viel mehr. Eine Sim kann ein Zuhause sein, ein Treffpunkt, ein kreatives Projekt oder ein Ort voller Erinnerungen. Manche Sims besucht man einmal und vergisst sie wieder. Andere bleiben über Jahre im Gedächtnis, weil man dort besondere Menschen kennengelernt, Nächte durchgetanzt oder einfach einmal Ruhe gefunden hat. Und genau deshalb sind Sims ein wichtiger Teil von Second Life. Sie sind nicht nur Kulisse. Sie werden durch ihre Gestaltung, ihre Besitzer und ihre Besucher lebendig.
Falls du also das nächste Mal hörst: „Komm mal auf meine Sim“,
musst du nicht mehr überlegen, ob Sim vielleicht der neue Partner, ein Haustier oder ein besonders schweigsamer DJ ist.
Gemeint ist einfach ein Ort in Second Life.
Was dich dort erwartet, ist allerdings wieder eine ganz andere Geschichte.
