Zwei Seiten. Eine Wahrheit.

Wenn Worte plötzlich anders klingen

Manchmal liest man etwas und denkt im ersten Moment einfach nur: Wow. Nicht, weil man überrascht ist, sondern weil man sich fragt, wie unterschiedlich Menschen ein und dieselbe Geschichte erzählen können. Da steht dann zum Beispiel: „Ich bin nur nicht für jeden gemacht.“ Oder: „Ich sage, was ich denke – ungefiltert, direkt und manchmal schneller, als mein Hirn hinterherkommt.

“Klingt erstmal selbstbewusst. Direkt. Frei. Vielleicht sogar sympathisch. Und ja, jeder darf so sein, wie er ist. Was mich allerdings nachdenklich macht, sind nicht die frechen Sprüche oder das „Nimm mich, wie ich bin – oder lass es“. Es sind die Stellen, in denen aus Menschen, die einmal da waren, plötzlich Menschen werden, die angeblich nur geschadet haben.

Wenn aus Hilfe plötzlich Hintergehen wird

„Selbst meine Familie, die ich mir nie ausgesucht hatte, hintergang mich, meinten über meinen Kopf hinweg, über meine eigene Sim und Club Entscheidungen zu treffen.“

Dieser Satz sitzt. Vor allem dann, wenn man selbst zu den Menschen gehört hat, die lange unterstützt, geholfen, zugehört und mitgetragen haben. Wenn man hinter jemandem stand, als Dinge schwierig waren. Wenn man Zeit, Energie und Nerven investiert hat, weil einem diese Person wichtig war. Und plötzlich liest man, dass daraus „Hintergehen“ geworden sein soll.

Neid, Eifersucht – oder einfach eine andere Sicht?

Noch heftiger wird es bei Sätzen wie: „Neid oder Eifersucht, ich weiss es nicht weswegen Menschen über anderer Rücken sich Erfolg versprechen.“

Da frage ich mich schon: Ist das wirklich die ganze Geschichte? Oder ist es nur die Version, die sich am einfachsten erzählen lässt?Denn irgendwann kommt eben der Punkt, an dem aus Unterstützung Einmischung gemacht wird. Aus Loyalität wird Kontrolle. Aus gemeinsamen Entscheidungen wird plötzlich „über meinen Kopf hinweg“. Und aus Menschen, die sehr lange da waren, werden auf einmal „falsche Leute“.

Ich war sicher nicht immer perfekt

Natürlich gibt es immer Situationen, die zwei Menschen völlig unterschiedlich wahrnehmen. Natürlich macht jeder Fehler. Auch ich. Ich werde ganz sicher nicht behaupten, dass ich immer alles richtig gemacht habe. Aber ich weiß, wo ich stand. Ich weiß, wie oft ich unterstützt habe. Wie oft ich da war. Wie oft ich Dinge mitgetragen habe, auch dann, wenn sie für mich selbst nicht angenehm waren. Und ich weiß auch, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem man aufhören muss, jeden Mist mitzutragen.Das ist dann kein Neid. Keine Eifersucht. Und auch kein Verrat. Manchmal ist es einfach nur eine Grenze.

Starke Worte bleiben hängen

Besonders interessant finde ich dann Aussagen wie: „Durch eine List entledigte ich mich von diesen falschen Leuten, die ich viel zu lange geduldet hatte.“

Entledigt.
Geduldet.

Das sind starke Worte. Und vielleicht sind genau diese Worte der Grund, warum ich diesen Beitrag schreibe.

Keine Schlammschlacht

Nicht, um jemanden öffentlich fertigzumachen. Nicht, um Namen zu nennen. Und ganz sicher nicht, um eine Schlammschlacht anzufangen. Sondern weil ich finde, dass man Menschen, die einmal Teil des eigenen Lebens waren, nicht einfach im Nachhinein zu Statisten in einer Geschichte machen sollte, in der man selbst immer das Opfer und alle anderen automatisch die Bösen sind.

Jede Geschichte hat mehr als eine Seite. Manchmal sogar deutlich mehr. Und nur weil jemand seine Version besonders laut, besonders direkt oder besonders dramatisch erzählt, wird sie dadurch nicht automatisch wahrer.

Wer dabei war, weiß es

Ich brauche keine große Abrechnung. Ich muss niemandem beweisen, was gewesen ist. Wer dabei war, weiß es. Wer mich kennt, weiß auch, wie ich bin. Ich habe Ecken und habe Kanten. Ich bin sicher nicht immer diplomatisch und vermutlich auch nicht immer einfach. Aber wenn mir Menschen wichtig sind, stehe ich hinter ihnen. Vielleicht manchmal sogar länger, als gut für mich ist. Und genau deshalb trifft es, wenn aus all dem irgendwann eine völlig andere Geschichte gemacht wird.

Irgendwann ist auch einfach Schluss

Aber irgendwann muss man sich entscheiden, ob man ständig erklären möchte, was wirklich passiert ist, oder ob man einfach weitergeht. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Jeder darf seine Geschichte erzählen.
Ich behalte meine Erinnerungen.
Und die sind erstaunlich gut. 😉

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