Es gibt in Second Life unzählige Orte. Clubs, Bars, Strände, Treffpunkte, Rollenspiel-Sims und natürlich auch mehr als genug Plätze, an denen BDSM eine Rolle spielt. Und trotzdem hatte ich irgendwann das Gefühl: Irgendetwas fehlt mir. Nicht noch ein Dungeon. Nicht noch ein Club mit lauter Musik, blinkenden Lichtern und fünf Leuten, die schweigend nebeneinander stehen und auf den nächsten IM warten. Sondern ein Ort, an dem Menschen tatsächlich miteinander ins Gespräch kommen. Genau daraus ist die Idee zu Beyond the Boundaries entstanden. Ein BDSM-Treffpunkt, ja. Aber eben nicht nur. Ein Platz für Austausch, Gemeinschaft, Neugier und Menschen, die nicht bei jedem neuen Besucher erst einmal überlegen, in welche Schublade er wohl passen könnte.
Und was mir dabei besonders wichtig ist: Ich mache das Ganze nicht alleine. Dorian, Lisa, Pax und ich bauen Beyond the Boundaries gemeinsam auf. Jeder von uns bringt etwas Eigenes mit hinein, andere Ideen, andere Erfahrungen, andere Sichtweisen und wahrscheinlich auch gelegentlich eine komplett andere Meinung. Und genau das finde ich gut. Denn so entsteht kein Ort aus einer einzigen Vorstellung, sondern etwas Gemeinsames. Wir reden über Ideen, planen, verwerfen wieder etwas, lachen über Dinge, die vermutlich nur wir lustig finden, und am Ende wächst daraus Stück für Stück ein Platz, hinter dem wir alle stehen können. Für mich ist genau das schon ein Teil dessen, was Beyond the Boundaries später ausmachen soll: nicht einer gibt alles vor und die anderen laufen hinterher, sondern man entwickelt etwas miteinander. Und wenn wir dabei zwischendurch ein bisschen Chaos produzieren, gehört das vermutlich einfach dazu. Immerhin reden wir hier von Second Life.
BDSM ist unglaublich vielfältig. Der eine lebt es intensiv, der nächste nur gelegentlich, jemand anderes interessiert sich einfach dafür und möchte erst einmal herausfinden, ob dieses Thema überhaupt etwas für ihn ist. Manche sind dominant, manche submissiv, manche switchen und andere haben überhaupt keine Lust, sich selbst mit irgendeinem festen Begriff zu versehen. Dazu kommen Fetische, Vorlieben, unterschiedliche sexuelle Orientierungen und natürlich ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Und genau deshalb finde ich einen Treffpunkt spannend, an dem nicht schon an der Tür entschieden wird, wer dort angeblich hineinpasst. Hetero, Gay, Lesbian, LGBTQ+, kinky, neugierig, erfahren oder absoluter Anfänger – am Ende sitzen hinter den Avataren immer Menschen. Und die sind meistens wesentlich interessanter als jedes Label, das über ihrem Kopf schweben könnte.
Dabei soll Beyond the Boundaries ganz bewusst kein Ort werden, an dem ständig irgendetwas passieren muss. Man darf auch einfach nur irgendwo sitzen, Musik hören, quatschen oder beobachten. Vielleicht findet man Menschen, mit denen man lachen kann. Vielleicht entwickelt sich ein interessantes Gespräch über BDSM. Vielleicht redet man zwei Stunden lang über etwas völlig anderes. Und vielleicht kommt man eigentlich nur kurz vorbei und stellt irgendwann erschrocken fest, dass es mitten in der Nacht ist. Genau solche Orte mag ich in Second Life. Orte, an denen man nicht das Gefühl bekommt, ein Programm erfüllen zu müssen, sondern einfach bleiben kann, weil die Atmosphäre stimmt.
Hier geht es zum Treffpunkt :-)

Natürlich gehören zu einem Treffpunkt auch Events. Aber auch dabei möchte ich nicht nur das übliche „DJ an, Musik laut, alle tanzen“ haben. Es darf Partys geben, gar keine Frage. Eine Red Night, eine dunkle Leather Night, Rock, Gothic, vielleicht auch einmal einen völlig bekloppten Themenabend, bei dem jeder hinterher behauptet, er hätte mit diesem Outfit niemals freiwillig das Haus verlassen. Aber genauso spannend finde ich kleinere Abende wie Kinky Coffee & Talk, einen Newbie-Abend oder Gesprächsrunden über Vertrauen, Grenzen, Rollen und Erfahrungen. Auch ein Kink-Bingo, Truth or Dare, Foto-Challenges, Schatzsuchen oder einfach ein gemütlicher Sonntagabend können eine Gemeinschaft viel stärker zusammenbringen als die nächste riesige Veranstaltung.
Ein Thema, das mir dabei besonders wichtig ist, sind Grenzen. Grenzen gehören zu BDSM wahrscheinlich stärker als zu vielen anderen Bereichen. Man sollte seine eigenen kennen und die der anderen respektieren. Aber es gibt eben auch diese selbstgebauten Grenzen im Kopf. „Mit solchen Leuten rede ich nicht.“ „Der gehört nicht zu meiner Szene.“ „Die macht das anders als ich, also ist es falsch.“ Genau diese Grenzen darf man ruhig einmal hinterfragen. Unterschiedliche Vorlieben müssen nicht bedeuten, dass Menschen nichts miteinander anfangen können. Man muss nicht alles mögen, was ein anderer tut. Respektieren reicht manchmal vollkommen.
Und dann gibt es natürlich noch etwas, das gerade in Second Life gelegentlich eine kleine Herausforderung darstellt: Kommunikation. Jeder interpretiert Dinge anders. Eine kurze Nachricht wird plötzlich zum Drama, Schweigen wird zum Statement erklärt und aus einem harmlosen Satz entsteht schneller eine komplette Geschichte, als man „Teleport“ sagen kann. Deshalb wünsche ich mir für Beyond the Boundaries vor allem eines: miteinander reden. Nicht übereinander. Fragen, wenn etwas unklar ist. Grenzen aussprechen. Ein Nein akzeptieren. Und sich vielleicht gelegentlich daran erinnern, dass hinter diesem perfekt gestylten Avatar gerade ein ganz normaler Mensch sitzt, der genauso gute und schlechte Tage haben kann wie man selbst.
Vielleicht wird Beyond the Boundaries irgendwann ein großer Treffpunkt. Vielleicht bleibt es eine kleinere Gemeinschaft, in der man sich kennt und regelmäßig wiedertrifft. Beides wäre vollkommen in Ordnung. Mir ist wichtiger, dass Menschen gerne wiederkommen, weil sie sich dort wohlgefühlt haben. Nicht weil der Ort die größte Besucherliste hat oder jeden Abend hundert Avatare herumstehen. Eine Gemeinschaft entsteht sowieso nicht durch Zahlen. Sie entsteht durch Gespräche, gemeinsame Abende, kleine Insider, verrückte Geschichten und irgendwann diesen Moment, an dem man einloggt und denkt: Mal schauen, wer heute da ist.
Und genau das soll Beyond the Boundaries sein. Kein Ort, an dem jeder gleich sein muss. Kein Ort, an dem man etwas darstellen muss. Sondern ein Treffpunkt für Menschen, die Lust auf BDSM, Fetisch, Gespräche, Gemeinschaft und vielleicht auch einfach ein bisschen Second-Life-Chaos haben. Denn seien wir ehrlich: Ganz ohne Chaos wäre Second Life schließlich auch irgendwie langweilig.
