Landmarke zu Visiting a Friend
Manchmal landet man in Second Life an einem Ort, an dem man schon nach den ersten Schritten merkt: Hier gelten andere Regeln.
Nicht die Regeln der Physik. Nicht die Regeln des guten Geschmacks. Und ganz sicher auch nicht die Regel, dass ein Wal gefälligst im Wasser zu bleiben hat.
Am 19. Juli 2026 eröffnete Cica Ghost ihre neueste Installation „Visiting a Friend“ auf der Region Mysterious Isle. Natürlich musste ich mir diese neue Fantasiewelt ansehen – schließlich weiß man bei Cica Ghost nie, ob man an einem ruhigen Strand, in einem seltsamen Traum oder direkt auf dem Kopf eines riesigen Wals landet.
Der Titel bedeutet übersetzt „Zu Besuch bei einem Freund“. Und irgendwie passt er perfekt, denn die ganze Sim wirkt wie eine Einladung in eine verrückte, liebevolle und ein kleines bisschen chaotische Fantasiewelt.

Ein Ausflug ans Meer – irgendwie jedenfalls
Schon beim Ankommen hatte ich das Gefühl, mitten in einem farbenfrohen Bilderbuch gelandet zu sein. Überall gab es Sand, Gras, kleine Boote und jede Menge Dinge, die man nicht unbedingt an einem normalen Strand erwarten würde.
Wobei – was ist in Second Life schon normal?
Zwischen den Dünen standen bunte kleine Häuser, einige davon so hoch, dass man sie nur über Leitern erreichen konnte. Vermutlich eine sehr gute Lösung gegen unangekündigten Besuch. Oder gegen Menschen wie mich, die grundsätzlich neugierig in jedes Haus schauen müssen.
Auf dem Wasser trieben kleine Fischer- und Ruderboote, während Störche durch die Landschaft stolzierten, als würden sie schon seit Jahren dort wohnen und hätten die Sim persönlich genehmigt. Alles wirkte freundlich, sommerlich und verspielt. Gleichzeitig lag über der gesamten Landschaft ein dunkler Sternenhimmel. Diese Kombination aus Strandurlaub und Nachtstimmung machte den Ort besonders. Es war ein bisschen so, als hätte jemand beschlossen, Sommerferien und Mitternacht einfach gleichzeitig stattfinden zu lassen.

Der Wal, der beschlossen hat, ein Grundstück zu vermieten
Das vermutlich auffälligste Wesen auf der Sim war ein riesiger blauer Wal.
Natürlich schwamm dieser Wal nicht einfach friedlich im Meer. Das wäre vermutlich viel zu gewöhnlich gewesen. Stattdessen thronte auf seinem Kopf ein kleines Haus.
Ein Haus. Auf einem Wal. Ich stelle mir vor, wie die Wohnungsanzeige ausgesehen haben könnte:
„Gemütliches Häuschen mit Meerblick. Ruhige Lage. Leichte Bewegungen bei starkem Seegang möglich. Haustiere nach Absprache.“
Im Inneren befanden sich unter anderem ein Bett, eine Pflanze und ein etwas eigenartiges katzenähnliches Wesen. Außerdem gab es Hinweise darauf, dass möglicherweise eine Ente dort lebt.
Warum auch nicht?
Bei Cica Ghost sollte man besser nicht zu lange fragen, warum etwas so ist. Man sollte es einfach ansehen, schmunzeln und akzeptieren, dass eine Ente vielleicht auf einem Wal wohnt. Ehrlich gesagt klingt das immer noch vernünftiger als manche Mietangebote im echten Leben.

Sandburgen für Fortgeschrittene
Natürlich dürfen an einem Strand Sandburgen nicht fehlen. Allerdings handelt es sich hier nicht um die kleinen Burgen, die man mit einem Eimer und einer Schaufel baut. Die Sandburgen auf der Sim waren groß, auffällig und wirkten, als hätte jemand beim Bauen ein wenig übertrieben. Daneben stand sogar ein Leuchtturm aus Sand.
Dieser Leuchtturm war über eine Brücke mit einem weiteren Gebäude verbunden. Alles sah zunächst sehr idyllisch aus – bis ich bemerkte, dass im oberen Bereich eine ziemlich große und ausgesprochen zahnreiche Spinne wartete. Damit war für mich klar: Die Aussicht von dort oben ist bestimmt wunderschön. Aber man muss ja auch nicht alles gesehen haben.
Manchmal reicht es vollkommen aus, von unten freundlich zu winken.

Ein Vulkan mit guter Laune
Auch einen Vulkan gab es zu entdecken.
Nun könnte man bei einem ausbrechenden Vulkan eine gewisse Dramatik erwarten. Lava, Rauch, Gefahr und vielleicht panisch flüchtende Avatare.
Doch selbst der Vulkan wirkte in dieser Welt eher freundlich. Statt bedrohlicher Lava schleuderte er bunte Lichtspuren in den Himmel, die fast wie ein Feuerwerk aussahen.
Ein Vulkan also, der offenbar beschlossen hatte, niemanden zu erschrecken, sondern einfach ein bisschen Unterhaltung anzubieten. So einen könnte man durchaus in der Nachbarschaft dulden.

Überall kleine Geschichten
Was mir besonders gut gefallen hat, waren die vielen kleinen Details. Cica Ghost erschafft keine Sim, über die man einfach nur schnell hinwegfliegt. Natürlich könnte man das tun. Aber dann würde man wahrscheinlich die Hälfte verpassen. Überall versteckten sich Figuren, kleine Szenen, ungewöhnliche Tiere und liebevolle Überraschungen. Manche Dinge waren sofort sichtbar, andere entdeckte ich erst beim zweiten Blick.
Genau das macht diese Gestaltung so besonders.
Man hat das Gefühl, dass jedes Objekt eine eigene kleine Geschichte erzählen könnte. Manchmal weiß man nicht genau, welche Geschichte das sein soll. Aber vielleicht ist gerade das der Reiz.
Die Fantasie darf selbst entscheiden.

Gute Freunde sind wie Sterne
Über der gesamten Installation steht der Gedanke:
„Gute Freunde sind wie Sterne. Man sieht sie nicht immer, aber man weiß, dass sie da sind.“
Dieser Satz passt wunderschön zu der Sim und wird auch in der offiziellen Vorstellung der Destination verwendet.
Vielleicht ist der Besuch bei einem Freund hier ganz wörtlich gemeint. Vielleicht steht er aber auch für Erinnerungen, die uns begleiten. Für Menschen, die nicht immer sichtbar sind. Für gemeinsame Erlebnisse, an die wir plötzlich denken, wenn wir einen bestimmten Ort sehen.
Während meines Besuchs hatte ich immer wieder das Gefühl, durch eine Mischung aus Sommerurlaub, Kindheitserinnerung und Traumwelt zu laufen. Sandburgen, kleine Boote, bunte Häuser und merkwürdige Tiere – alles wirkte vertraut und gleichzeitig vollkommen verrückt. Ein bisschen wie Erinnerungen eben. Manche sind klar, andere verschwimmen, und bei einigen fragt man sich später, ob das wirklich so passiert ist.

Wie lange kann man „Visiting a Friend“ besuchen?
Ein offizielles Schließungsdatum wurde bisher nicht bekannt gegeben. Die Installationen von Cica Ghost sind jedoch meist keine dauerhaften Orte, sondern werden nach einiger Zeit durch eine neue Gestaltung ersetzt.
Allein im Jahr 2026 wurden auf Mysterious Isle bereits mehrere unterschiedliche Welten gezeigt, darunter „Woodland“, „Spirit Tribe“ und nun „Visiting a Friend“. Das lässt vermuten, dass auch diese Installation wahrscheinlich nur einige Wochen oder möglicherweise wenige Monate bestehen bleibt. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht.
Wer die Sim besuchen möchte, sollte deshalb besser nicht zu lange warten. In Second Life kann eine wunderschöne Welt heute noch da sein – und morgen steht an ihrer Stelle vielleicht bereits ein tanzender Elefant auf einer fliegenden Teekanne.
Bei Cica Ghost wäre zumindest auch das nicht vollkommen ausgeschlossen.

Mein persönliches Fazit
„Visiting a Friend“ ist für mich keine Sim, die man einfach nur besucht, ein paar Fotos macht und danach wieder vergisst. Es ist ein Ort zum Entdecken, Schmunzeln und Staunen. Die Gestaltung ist bunt, leicht, freundlich und voller Fantasie. Trotzdem steckt hinter all dem Humor auch eine ruhige und fast nachdenkliche Stimmung. Es geht um Freundschaft, Erinnerungen und vielleicht auch um das schöne Gefühl, irgendwo willkommen zu sein.
Mein persönliches Highlight war natürlich der Wal mit dem Haus auf dem Kopf.
Denn sind wir ehrlich: Eine Sim mit einem wohnenden Wal, einer vermutlich mietzahlenden Ente, einer zahnreichen Spinne und einem gut gelaunten Vulkan kann eigentlich nur einen Besuch wert sein.
Ich empfehle, die Sim langsam zu erkunden. Nicht einfach darüber hinwegzufliegen, sondern wirklich durch die Landschaft zu laufen, Leitern hochzuklettern und in die kleinen Häuser zu schauen.
Aber bei der Spinne gilt: Jeder entscheidet selbst, wie wichtig ihm die Aussicht wirklich ist.
