Wenn Menschen in Second Life plötzlich zur Familie werden

Familie? Eigentlich nichts für mich

Eigentlich wollte ich in Second Life niemals eine Familie gründen. Dieses ganze Mama-und-Papa-Gedöns fand ich immer ein wenig schwierig. Und beim Thema Schwangerschaft in Second Life war ich erst recht raus. Das war einfach nicht meine Welt und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich irgendwann selbst mitten in so einer Familiengeschichte stecken würde.

Tja – und dann kam das Leben dazwischen. Oder besser gesagt: Second Life.

Im Januar 2026 kam unsere Tochter Josephine zur Welt. Allein dieser Satz hätte mich einige Zeit vorher wahrscheinlich noch laut lachen lassen. Ich? Eine Tochter in Second Life? Niemals!

Ein Umzug, eine Blödelei und plötzlich Eltern

Bevor Josephine geboren wurde, waren wir auf eine neue Sim gezogen. Dort leben mehrere deutschsprachige Menschen, und irgendwie fühlte es sich schnell vertraut und angenehm an. Man traf sich, redete miteinander, alberte herum und lernte sich immer besser kennen.

Und dann entstand aus einer völligen Blödelei plötzlich etwas, mit dem wohl niemand gerechnet hatte. Lisa adoptierte uns. Damit waren wir auf einmal Eltern. Ganz unverhofft, völlig unerwartet und ehrlich gesagt fühlte es sich für mich im ersten Moment ziemlich komisch an. Schließlich hatte ich mich gegen genau dieses Familiengedöns innerlich immer ein wenig gewehrt. Nun stand ich plötzlich mittendrin und musste mich erst einmal an den Gedanken gewöhnen.

Doch mit der Zeit veränderte sich etwas. Dieses komische Gefühl wurde immer kleiner und machte langsam Platz für etwas Schönes. Es fühlte sich plötzlich nicht mehr nach einem Rollenspiel an, das man einfach nur mitmacht. Es entwickelte sich zu etwas, das wirklich von Herzen kam.

Aus einer Tochter wurden plötzlich zwei

Einen Tag später gestand uns Lisa dann auch noch, dass sie eine kleine Schwester hat.

Was soll ich sagen?

Innerhalb von gerade einmal zwei Tagen waren wir von zwei Mädels adoptiert worden. Eben noch waren wir ein Paar, das mit diesem ganzen Mama-und-Papa-Thema eigentlich nichts anfangen konnte – und plötzlich waren wir Eltern von zwei Töchtern. Andere planen ihre Familie vermutlich wochenlang. Bei uns reichten ein Umzug, eine Blödelei und zwei vollkommen verrückte Tage. Und trotzdem fühlte es sich mit jedem weiteren Tag ein kleines bisschen richtiger an.

Wenn aus Menschen Familie wird

Vielleicht ist genau das das Besondere an Second Life. Man begegnet Menschen, die man im echten Leben vermutlich niemals getroffen hätte. Man lacht gemeinsam, hört einander zu und teilt manchmal mehr miteinander, als man ursprünglich vorhatte. Aus Bekannten werden Freunde. Aus Freunden werden Vertraute. Und manchmal werden diese Menschen plötzlich zu einer Familie.

Natürlich ist nicht jede Familie in Second Life automatisch perfekt. Auch dort gibt es Missverständnisse, unterschiedliche Erwartungen und manchmal verletzte Gefühle. Eine Familienrolle allein macht noch keine echte Verbindung aus. Entscheidend ist das, was hinter den Rollen steckt: Vertrauen, Ehrlichkeit, gemeinsame Zeit und das Gefühl, füreinander da zu sein.

Lisa und ihre kleine Schwester haben sich nicht einfach nur neue Eltern gesucht. Sie haben etwas in unser Leben gebracht, von dem ich vorher überhaupt nicht wusste, dass es mir gefehlt hatte.

Nicht geplant und gerade deshalb besonders

Heute muss ich über meine frühere Einstellung manchmal selbst schmunzeln. Ich wollte niemals eine Familie in Second Life. Ich wollte kein Mama-und-Papa-Gedöns und schon gar keine komplizierten Familiengeschichten.

Und nun? – Nun gehören diese beiden Mädels ganz selbstverständlich zu uns.

Vielleicht besteht Familie eben nicht immer aus Blut, gemeinsamen Namen oder festen Rollen. Manchmal besteht Familie einfach aus Menschen, die unerwartet in dein Leben stolpern, bleiben und irgendwann einen festen Platz in deinem Herzen haben. Unsere Familie war nicht geplant. Sie ist einfach passiert.

Und vielleicht ist sie gerade deshalb etwas ganz Besonderes.

………………………………………………….und dann kam Pax!

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