Ich habe mir in der letzten Zeit eine kleine Social-Media-Pause gegönnt. Einfach mal etwas Abstand gewinnen, den Kopf freibekommen und nicht ständig lesen, wer sich gerade über wen aufregt, wer angeblich was getan hat und welches Drama nun schon wieder größer gemacht wird, als es eigentlich sein müsste. Diese Pause hat mir gutgetan.Mit neuem Elan, neuen Gedanken und einigen frischen Inspirationen bin ich nun wieder da. Was allerdings nie wirklich verschwunden war, sind die Machenschaften mancher Mitspieler in Second Life.
Facebook – die große Meinungsbühne
Facebook ist eine durchaus interessante Plattform. Dort kann man viele unterschiedliche Meinungen über Second Life, Clubs, Sims, Projekte und natürlich auch über andere Menschen lesen. Zumindest wirken die Meinungen auf den ersten Blick unterschiedlich. Schaut man etwas genauer hin, ähneln sich viele Geschichten erstaunlich stark. Am Ende kommen sie häufig auf denselben Nenner: Irgendjemand hat irgendetwas gehört, jemand kennt jemanden, der angeblich dabei war, und plötzlich wird aus einem Gerücht eine feststehende Wahrheit. Manchmal schneller, als ein Avatar vollständig gerezzt ist.
Spiele innerhalb des Spiels
Was ich bis heute nicht verstanden habe: Warum spielen manche Menschen innerhalb von Second Life noch zusätzliche Spiele?Und damit meine ich nicht Rollenspiel, Rätsel oder einen lustigen Spieleabend. Ich meine diese kleinen Machtspiele, Intrigen und Versuche, andere Menschen gegeneinander auszuspielen. Was verspricht man sich davon?
Ich habe darauf auch nach all meinen Jahren in Second Life noch keine vernünftige Antwort gefunden.
Wenn ich ganz ehrlich bin, denke ich manchmal, dass einige Menschen im realen Leben nicht besonders viel auf die Reihe bekommen und deshalb in der virtuellen Welt besonders laut auftreten müssen. Dort wird dann der dicke Max gemacht, weil man glaubt, endlich Macht, Einfluss oder Bedeutung zu besitzen. Vielleicht liege ich damit völlig falsch. Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung auch ganz allein da. Aber ein kleiner Teil von mir vermutet, dass ich zumindest nicht komplett danebenliege.

Warum muss man andere zerstören?
Warum muss man Menschen schlechtreden? Warum werden Lügen über Personen verbreitet, die man überhaupt nicht richtig kennt? Warum setzt man so viel Energie daran, andere und ihre Projekte zu beschädigen oder sogar komplett zu zerstören? Ist das inzwischen das neue Spiel in Second Life? Ist das wirklich das, was Second Life ausmacht?
Manchmal habe ich das Gefühl, manche Menschen investieren mehr Zeit darin, fremde Projekte kaputtzumachen, als sie benötigen würden, um selbst etwas Schönes auf die Beine zu stellen. Das muss man erst einmal schaffen.
Meine persönlichen Gedanken
Was ich hier schreibe, ist meine persönliche Meinung.
Ich spreche für niemand anderen und werde auch von niemandem dazu gezwungen. Nicht, dass am Ende noch jemand behauptet, ich hätte diesen Beitrag unter Androhung von Inventarverlust schreiben müssen. Für mich ist Second Life nicht nur ein Spiel. Es ist ein Ort, an dem ich Zeit mit meinem Partner und mit Freunden verbringe. Ich gehe gerne tanzen und besuche, wenn es das reale Leben zeitlich zulässt, auch Konzerte oder andere Veranstaltungen. Ich lerne Menschen kennen, entdecke neue Orte und erlebe Momente, die mir Freude machen. Natürlich ist es eine virtuelle Welt. Aber hinter jedem Avatar sitzt ein echter Mensch. Und genau das wird leider viel zu oft vergessen.
Respekt sollte eigentlich selbstverständlich sein
In Second Life treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander. Jeder Mensch ist anders. Jeder hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Grenzen, seine eigenen Vorstellungen und manchmal auch einen ganz besonderen Dickkopf. Das ist völlig normal. Aber sollten wir uns nicht trotzdem gegenseitig mit Respekt behandeln? Möchten wir nicht selbst ebenfalls respektvoll behandelt werden? Es wäre eigentlich so einfach. Man muss nicht jeden mögen. Man muss nicht jede Meinung teilen. Man muss auch nicht mit jedem befreundet sein. Aber man kann sich trotzdem anständig verhalten.

Wenn man sich als Gast wirklich willkommen fühlt
Vor einigen Tagen war ich in einem Club, den ich vorher noch nicht kannte. Ein befreundeter DJ legte dort auf, und ich wollte ihn besuchen. Schon nach kurzer Zeit merkte man, dass Gäste dort tatsächlich willkommen sind. Nicht nur ausgewählte Personen, nicht nur bestimmte Gruppen und nicht ausschließlich die eigene Familie. Man wurde begrüßt, wahrgenommen und nicht einfach nur mit ein paar Gesten beworfen. Im Club herrschte eine angenehme Atmosphäre. Man konnte spüren, mit wie viel Freude und Engagement das Team seine Arbeit macht. Und genau so sollte es sein.
Ein Club lebt nicht nur von seiner Einrichtung, der Musik oder einer hübschen Tanzfläche. Er lebt von den Menschen und davon, wie diese miteinander umgehen.
Clubs ohne Lust auf Gäste
Dann gibt es allerdings auch die andere Seite. Clubs, die ihre Besucher regelrecht vergraulen. Gäste werden behandelt, als wären sie nichts wert, ignoriert oder sogar aufgefordert, den Club wieder zu verlassen. Über solche Situationen habe ich inzwischen mehrfach gehört. Ich frage mich dann ernsthaft: Wozu eröffnet man überhaupt einen Club, wenn man eigentlich gar keine fremden Gäste dort haben möchte? Dann kann man auch gleich das Grundstück schließen, sich mit der eigenen Gruppe hineinsetzen und ein Schild aufstellen:
„Bitte nicht stören – wir möchten unter uns bleiben.“ Das wäre wenigstens ehrlich. Aber gut, das nur einmal am Rande.
Stalking und Mobbing sind nicht virtuell
Stalking, Mobbing, Rufschädigung und viele weitere Dinge passieren auch in der virtuellen Welt. Nur weil sie über einen Bildschirm stattfinden, sind sie nicht automatisch harmlos. Die betroffenen Menschen sitzen schließlich nicht als gefühllose Spielfiguren vor ihren Computern. Sie nehmen die Worte, die Angriffe und die Gerüchte wahr. Und sie können dadurch verletzt werden. Was haben die Menschen davon, die so etwas tun? Fühlen sie sich dadurch stärker? Wichtiger? Mächtiger? Ich werde es vermutlich niemals verstehen.

Ist Second Life nur ein Spiel?
Diese Frage lässt sich wahrscheinlich nicht für alle Menschen gleich beantworten. Für manche ist Second Life tatsächlich nur ein Spiel. Ein Ort, an dem man sich anmeldet, etwas Spaß hat und anschließend wieder verschwindet. Für andere ist es ein Hobby, eine kreative Plattform oder ein sozialer Treffpunkt. Und für einige ist es viel mehr.
Second Life kann Freundschaft sein. Liebe. Gemeinschaft. Kreativität. Musik. Familie. Trost und manchmal auch ein kleiner Rückzugsort vom realen Alltag. Aber ganz gleich, welche Bedeutung diese Welt für jeden Einzelnen hat: Hinter jedem Avatar sitzt ein Mensch. Vielleicht sollten wir uns das öfter in Erinnerung rufen, bevor wir urteilen, Gerüchte verbreiten oder versuchen, jemanden bewusst zu verletzen. Denn möglicherweise ist Second Life nur ein Spiel.
