Bei unserem letzten Swinger-Stammtisch, den Dorian und ich gemeinsam moderiert haben, ging es um ein Thema, das zunächst vielleicht etwas provokant klingt, aber viel mit Gleichberechtigung zu tun hat:
Warum dürfen Männer in der Öffentlichkeit ganz selbstverständlich oben ohne herumlaufen, während es bei Frauen oft als anstößig, unangemessen oder sogar verboten gilt?
Ich finde, genau solche Fragen gehören an einen offenen Stammtisch. Denn Gleichberechtigung betrifft nicht nur Arbeit, Familie oder Politik. Sie zeigt sich auch darin, wie unterschiedlich Männer und Frauen noch immer bewertet werden.
Ein Oberkörper – zwei verschiedene Maßstäbe
Wenn ein Mann im Sommer sein Shirt auszieht, stört sich meistens kaum jemand daran. Am See, im Park, beim Sport oder auf einem Festival gilt ein nackter männlicher Oberkörper als völlig normal.
Bei einer Frau sieht es plötzlich ganz anders aus.
Zeigt sie ihre Brust, wird ihr Körper sofort stärker sexualisiert. Schnell fallen Begriffe wie Anstand, Moral oder Rücksichtnahme. Doch ich frage mich: Warum wird die weibliche Brust automatisch als etwas Erotisches angesehen, während der männliche Oberkörper gesellschaftlich kaum eine Rolle spielt?
Auch ein männlicher Oberkörper kann attraktiv oder erotisch wirken. Trotzdem wird er ganz anders bewertet.
Mir geht es um die freie Entscheidung
Für mich bedeutet Gleichberechtigung nicht, dass nun jede Frau überall oben ohne herumlaufen muss.
Es geht nicht darum, etwas tun zu müssen.
Es geht darum, die gleiche Wahl zu haben.
Wenn ein Mann an einem heißen Sommertag selbst entscheiden darf, ob er ein Oberteil trägt, warum sollte eine Frau diese Entscheidung nicht ebenfalls treffen dürfen?
Natürlich gibt es Orte, Regeln und Situationen, in denen Rücksichtnahme wichtig ist. Aber genau diese Regeln dürfen wir hinterfragen, wenn für Männer und Frauen unterschiedliche Maßstäbe gelten.
Warum fühlen wir uns überhaupt gestört?
Während unseres Stammtisches kam auch die Frage auf, wo persönliche Freiheit endet und Rücksichtnahme beginnt.
Das ist grundsätzlich eine berechtigte Frage. Doch ich finde, wir sollten dabei auch überlegen, warum sich viele Menschen von einer weiblichen Brust stärker gestört fühlen als von einem männlichen Oberkörper.
Liegt es wirklich am Körper selbst?
Oder liegt es vielmehr daran, dass wir über viele Jahre gelernt haben, den weiblichen Körper anders zu betrachten und stärker zu sexualisieren?
Was wir als normal, peinlich oder unangemessen empfinden, wird stark durch unsere Gesellschaft geprägt. Deshalb finde ich es wichtig, diese Vorstellungen nicht einfach hinzunehmen, sondern offen darüber zu sprechen.
Ein offener und respektvoller Austausch
Dorian und ich wollten bei diesem Stammtisch niemanden von einer bestimmten Meinung überzeugen. Uns war wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem alle ihre Gedanken und Erfahrungen äußern können.
Es gab unterschiedliche Sichtweisen. Einige wünschen sich mehr Freiheit und einen natürlicheren Umgang mit dem weiblichen Körper. Andere empfinden öffentliche Nacktheit generell als unangemessen – unabhängig vom Geschlecht.
Für mich ist es vollkommen in Ordnung, wenn Menschen unterschiedlich denken. Entscheidend ist, dass wir respektvoll miteinander umgehen und auch Meinungen anhören, die nicht der eigenen entsprechen.
Mein persönliches Fazit
Ich glaube nicht, dass nun jede Frau überall oben ohne herumlaufen möchte oder sollte.
Aber ich finde, dass Frauen nicht grundsätzlich anders bewertet werden dürfen als Männer.
Gleichberechtigung bedeutet für mich nicht, dass alle Menschen gleich sein müssen. Sie bedeutet, dass für alle die gleichen Rechte, Freiheiten und Maßstäbe gelten sollten.
Und vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo wir anfangen, scheinbar selbstverständliche Regeln zu hinterfragen.
Warum ist ein nackter männlicher Oberkörper normal, während ein weiblicher sofort zum Problem wird?
Darüber sollten wir weiterhin sprechen.

