Was ist ein Mensch/Avatar wert?

Was ist ein Mensch/Avatar wert?

Ich war die Tage im RL unterwegs und saß in einem Wartebereich. Dort lag eine Kurzgeschichte, die ich eher zufällig gelesen habe. Eigentlich war es nur ein kurzer Text, aber manchmal sind es genau diese kleinen Dinge, die einen plötzlich nicht mehr loslassen.

In dieser Geschichte ging es um eine Frage, die auf den ersten Blick vielleicht einfach klingt, aber bei genauerem Nachdenken ziemlich schwer wird:

Was ist ein Mensch wert?

Es wurde das Beispiel von Fußballspielern genannt, die für 40 Millionen oder mehr gehandelt werden. Das klingt irgendwie verrückt, fast schon absurd — und trotzdem ist es Realität. Menschen werden in Summen gemessen, in Marktwerten, in Verträgen, in Zahlen.

Aber kann man wirklich einen Preis für einen Menschen festlegen? Kann man bestimmen, was jemand „kostet“? Und wenn ja, was ist dann mit all den Menschen, die tagtäglich dafür sorgen, dass unser Alltag überhaupt funktioniert?

Was ist eine Krankenschwester wert, die sich um Menschen kümmert, wenn sie schwach, krank oder hilflos sind? Was ist ein Busfahrer wert, der andere sicher von einem Ort zum anderen bringt? Was ist eine Verkäuferin wert, die jeden Tag freundlich bleiben soll, auch wenn ihr selbst vielleicht gar nicht danach ist? Was sind all die Menschen wert, die in ganz normalen Berufen arbeiten, oft ohne großes Lob, ohne Applaus und ohne Millionenvertrag?

Sind sie weniger wert? Oder sind sie vielleicht viel mehr wert, als unsere Gesellschaft ihnen manchmal zeigt?

Diese Gedanken haben mich sehr beschäftigt. Und ehrlich gesagt haben sie mich auch traurig gemacht.

In meinem RL-Beruf habe ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun. Nicht jeder Mensch ist gleich. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, seine Launen, seine Sorgen, seine Art. Und trotzdem denke ich immer wieder an diesen Satz, den man eigentlich schon als Kind lernt:

Behandle dein Gegenüber so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Eigentlich klingt das so einfach. Und doch habe ich manchmal das Gefühl, dass genau das ganz viele Menschen vergessen haben.

Vor der großen Pandemie war der Umgang miteinander schon oft schwierig. Aber ich empfinde es so, als wäre es danach noch schlimmer geworden. Viele Menschen wirken egoistischer, kälter, gereizter. Man begegnet immer öfter Menschen, die einem Energie rauben, statt ein freundliches Wort dazulassen. Menschen, die nur sich selbst sehen, nur ihre Meinung gelten lassen und dann beleidigt oder wütend reagieren, wenn man ihnen nicht genau das sagt, was sie hören möchten.

Sagt man etwas, ist es falsch. Sagt man nichts, ist es auch falsch.

Und leider sehe ich solche Verhaltensweisen nicht nur im RL. Auch in Second Life begegnen sie mir immer wieder. Dort, wo man eigentlich abschalten, lachen, tanzen, kreativ sein und eine gute Zeit haben möchte, gibt es genauso Lästereien, Gerüchte und falsche Aussagen. Es wird über andere gesprochen, statt mit ihnen. Es werden Dinge behauptet, die nicht stimmen. Es wird sich in Beziehungen eingemischt, die niemanden etwas angehen.

Und wofür?

Nur damit man selbst besser dasteht? Damit man Aufmerksamkeit bekommt? Damit man das Gefühl hat, über andere zu stehen?

Ich finde das traurig.

Denn am Ende bleibt doch die Frage: Was ist ein Mensch wirklich wert?

Für mich liegt der Wert eines Menschen nicht in Geld, nicht in Besitz, nicht in Status, nicht in Likes, nicht in Gerüchten und auch nicht darin, wie laut jemand ist. Der Wert eines Menschen zeigt sich darin, wie er mit anderen umgeht. Wie viel Respekt, Herz, Ehrlichkeit und Menschlichkeit er in die Welt bringt.

Niemand von uns ist perfekt. Wir alle machen Fehler. Wir alle haben schlechte Tage. Aber das sollte niemals eine Ausrede dafür sein, andere kleinzumachen, schlechtzureden oder ihnen bewusst weh zu tun.

Vielleicht sollten wir alle öfter innehalten und uns fragen, was wir selbst gerade in die Welt tragen. Sind es Wärme, Respekt und Fairness? Oder sind es Neid, Missgunst und Gift?

Ein Mensch ist nicht in Millionen zu messen.

Ein Mensch ist wertvoll, weil er fühlt. Weil er kämpft. Weil er liebt. Weil er trägt, was andere oft nicht sehen. Weil jeder Mensch seine eigene Geschichte hat.

Und genau deshalb sollten wir wieder lernen, achtsamer miteinander umzugehen — im echten Leben genauso wie in Second Life.

Denn am Ende möchte doch jeder von uns gesehen, respektiert und fair behandelt werden.

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